Aktuelles

Liebe Mitglieder des Heiligenstädter Geschichts- und Museumsvereins!

Bund und Länder haben neue Corona-Regeln beschlossen, die ab dem 28. Dezember gelten, um die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante zu bremsen. Gerade die Viren besitzen die nahezu unendliche Möglichkeit sich zu verändern, zu mutieren, wie wir es auch heute erleben. Auch in Zukunft wird unsere moderne Welt von solchen Pandemien bedroht werden. Für uns alle ist dies eine völlig neue Erfahrung, wie diese Covid-19-Pandemie die Welt in einen Ausnahmezustand versetzt.

Vor 100 Jahren mussten unsere Vorfahren auch eine Pandemie, die Spanische Grippe überstehen. Wir haben den großen Vorteil, dass es eine Impfung gibt, die uns hilft, möglichst unbeschadet die Erkrankung zu überstehen. Doch auch mit der Impfung müssen wir uns an strenge Hygieneregeln halten, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Aus diesem Grund haben der HGMV und der Theodor-Storm-Verein beschlossen, das Hammelessen am 06. Januar 2022 abzusagen. Wir wollen es jedoch nicht wie im letzten Jahr ausfallen lassen, wir verschieben es auf das Frühjahr, in gefahrlosere Zeiten. Wann werden wir Ihnen rechtzeitig bekannt geben.

Auch ob der Vortrag von Herrn Friese, am 20. Januar 2022, über die Geschichte des Eichsfelder Hofes stattfindet, wird von der weiteren Entwicklung der Infektionszahlen abhängen. Auch darüber werden wir Sie rechtzeitig informieren.

Nun wünschen wir, der Vorstand des HGMV Ihnen eine ruhige und besinnliche Silvesterfeier und einen guten Start in ein hoffentlich gesundes Neues Jahr 2022.

Bleiben Sie alle gesund.

Günter Liebergesell

im Auftrag des Vorstandes des HGMV

Liebe Mitglieder des HGMV,

im Monat Januar muss das Hammelessen mit dem Storm Verein wegen Corona auf das Frühjahr verschoben werden. So können Sie auf unserer Homepage einen Vortrag nachlesen. Alle bisher erschienene Vorträge finden Sie unter der Seite „Archiv“ auf dieser Homepage.

Wenn Sie noch nicht Mitglied des HGMV sind, dieses aber werden möchten, dann finden Sie auf dieser Homepage unter „Mitglied werden“ alle nötigen Unterlagen.

Ein schwarzer Tag – Vor 58 Jahren stand das St. Vincenz Krankenhaus kurz vor einer Katastrophe

Verfasser: Günter Liebergesell

Abend des 21. Oktober 1963 wäre es fast zu einer Katastrophe im St. Vincenz Krankenhaus gekommen. Viele unglückliche Zufälle führten dazu und doch hatte das Krankenhaus auch an diesem Abend einen guten Schutzengel an seiner Seite.

In der ganz Heiligenstadt gingen am Abend des 21. Oktobers 1963 die Lichter aus.

Stromausfall.

Ein Defekt an einer Hauptleitung hatte dafür gesorgt. Auch im St. Vincenz Krankenhaus, wo gerade eine Operation lief, wurde es dunkel. Ohne elektrische Beleuchtung hätte die Operation nicht beendet werden können. So veranlasste die operierende Ärztin die Inbetriebnahme des Notstromaggregates. Dieses Notstromaggregat befand sich im Keller des Krankenhauses, direkt unter dem Operationssaal. Es musste nur gestartet werden. Doch durch unsachgemäße Behandlung des Aggregates lief Benzin aus dem Tank auf die Auspuffrohre und entzündete sich unbemerkt.  Im selben Raum lagerten zu der Zeit auch hochentzündlicher Äther in etwa 300 Flaschen zu je 100 ml und 2 Gasflaschen mit Lachgas.

Gegen 21:00 Uhr, etwa 15 Minuten nach Brandausbruch, kam es dann durch die Hitze zu einer Explosion. Dadurch wurden zwar nur Fenster und Türen zerstört, doch auf die Patienten wirkte das äußerst beunruhigend. Als starker Rauch über den Fahrstuhlschacht in die oberen Etagen drang, breitete sich Angst unter den Patienten aus.

Die Alarmierung der Feuerwehr konnte nicht erfolgen. Wegen des Stromausfalls konnten die Sirenen nicht in Betrieb genommen werden.

Der im Gerätehaus der Feuerwehr wohnende Hermann-Josef Anhalt, alarmierte daher die Kameraden mit dem Martinshorn des LF 16, dass die Feuerwehr erst zwei Jahre zuvor bekommen hatte.  Seine Frau Agnes Anhalt lief zu Kameraden, denn etwa 13 Feuerwehrleute wohnten nur etwa 100 Meter vom Gerätehaus entfernt und verständigte diese.

Die um 21:20 Uhr verständigten Kammeraden der FFW Heiligenstadts konnten schon um 21:30 Uhr ausrücken und schon zwei Minuten später folgte ein zweites Fahrzeug.

Das Brandobjekt war ein massives vierstöckiges Gebäude mit zwei Seitenflügeln, drei Treppenhäusern und zwei Aufzügen zur Personenbeförderung. Der Brand hatte sich im westlichen Seitenflügel des Hauses im Keller entwickelt. Im Erdgeschoß waren die Operationsräume und in den darüber liegenden Etagen die Krankenstationen und die Wöchnerinnenabteilung.

Auf Weisung des Gruppenführers wurden die Löschfahrzeuge am Bachlauf des Friedhofs (Scheuche) aufgestellt und von hier aus die B-Leitungen bis zum Verteilerstück am Brandobjekt ausgelegt. Der Gruppenführer der ersten Gruppe erkundete die Lage. Als die Feuerwehr eintraf, erschütterten zwei weitere Explosionen das Kellergeschoss. Türen wurden herausgerissen und die Decke des Kellers bzw. der Fußboden des Operationssaales bekam einen Riss.

Zwei Kameraden der Feuerwehr, unter ihnen Herbert Schilling, die sich vor dem Kellerfenster befanden, wurden durch die Wucht der Explosion bis vor den Eisenzaun, der das Krankenhaus umgab, geschleudert. Zum Glück blieben sie unverletzt.

Vom Gruppenführer wurde festgestellt das starke Flammen aus dem Kellerfenster unter dem Operationssaal herausschlugen und sämtliche Fensterscheiben zerstört waren.

Während ein Trupp der Feuerwehr von außen mit Schaum den Brand löschte, gingen zwei weitere Trupps zur Brandbekämpfung mit Atemschutzgeräten in den Keller vor. Einer über die Kellertreppe des Fahrstuhls, der andere über die Kellertreppe der Tischlerei. Damit war eine umfassende Brandbekämpfung gesichert.

Der Treppenaufgang des Seitenflügels war stark verqualmt, was durch der Fahrstuhlschacht begünstigt wurde. Im 3. Obergeschoß schrien drei Frauen um Hilfe. Das Krankenhauspersonal hatte bereits begonnen, die Patienten zu evakuieren.

In der Zwischenzeit halfen weitere Einsatzkräfte, unter ihnen auch Soldaten der Grenztruppen und freiwillige Helfer, die zum St. Vincenz Krankenhaus geeilt waren, bei der Evakuierung der Patienten der gefährdeten Stationen.

Um 23:00 Uhr konnte die Feuerwehr den Einsatz am Krankenhaus beenden. Drei Kameraden übernahmen die Brandwache.

Wie durch ein Wunder kamen weder Patienten, Helfer oder Feuerwehrleute zu Schaden. Und der Brand konnte in kürzester Zeit gelöscht werden

An den folgenden Tagen wurden Sicherungsarbeiten durchgeführt. Zum Beispiel wurde an der Decke, also unter dem Fußboden des Operationssaales ein T-Träger zur Stabilisierung eingezogen.

Auch durften von diesem Tag an keine hochentzündlichen Stoffe und Gasflaschen mehr im Krankenhausgebäude gelagert werden.

Am 23.10.1963 erschien im „Eichsfelder Tageblatt“ und in der Zeitung „Das Volk“ dieser gleichlautende Text von Kreisstaatsanwalt Lorke.

Brand im Krankenhaus

Heiligenstadt. Am 21. Oktober gegen 21 Uhr brach aus bisher noch unbekannter Ursache im Keller des Krankenhauses Heiligenstadt ein Brand aus, bei dem mehrere im Keller gelagerte Behälter mit brennbarer Flüssigkeit explodierten. Durch sofort eingeleitete Maßnahmen der Brandschutz- und Sicherheitsorgane konnte dieser Brand in kürzester Zeit gelöscht werden.

Glücklicherweise sind keine Kranken bei den Explosionen zu Schaden gekommen. Die ärztliche Versorgung der sich im Krankenhaus befindlichen Patienten ist nach wie vor gesichert. Bürger unseres Kreises, die Angehörige als Patienten im Krankenhaus haben, können ohne Sorge sein. Durch die Sicherheitsorgane wird empfohlen, vorläufig von Krankenbesuchen, soweit diese nicht unbedingt notwendig sind, Abstand zu nehmen, damit die Ursachen des Brandes möglichtst schnell geklärt und die Schäden, die durch die Explosionen entstanden sind, auf dem schnellsten Wege behoben werden können. Die schnelle Aufklärung der Ursachen des Brandes liegt im Interesse eines jeden einzelnen Bürgers unseres Kreises, damit durch entsprechende Maßnahmen solche Dinge für die Zukunft ausgeschaltet werden und die reibungslose medizinische Versorgung der Bevölkerung des Kreisgebietes gewährleistet wird.

Allen Betrieben und Institutionen wird empfohlen, den Brandschutz in ihren Objekten, insbesondere die ordnungsmäßige Einlagerung hochexplosiver und explosionsgefährdeter Stoffe und Flüssigkeiten zu überprüfen und Sorge dafür zu tragen, dass der Brandschutz in jedem Betrieb und in jedem Objekt in vollem Umfang gewährleistet und gesichert ist.“

Auf dem Kameradschaftsabend der FFW Heiligenstadt konnten durch den Bürgermeister Jünemann viele Kameraden für ihre Einsatzfreudigkeit ausgezeichnet werden. Unter ihnen waren Johannes Lins, Anton Weihmüller, Georg Simon, Hermann Josef Anhalt, Hermann Kanngießer, Gerhard Kunze, Herbert Schilling, Ludwig und Philipp Fleischmann, Wolfgang Pahlke, Franz Pape, Josef Trost, Franz Wand, Joachim Hütcher und Josef Kutzler. Erstmalig konnte auch einer Frau für ihren hervorragenden Einsatz beim Brand im Krankenhaus gedankt werden. Frau Agnes Anhalt erhielt von Oberleutnant Bader eine Sachprämie.

Verwendete Literatur:

  • Günter Liebergesell, „Na sowas“ Geschichten um und aus dem Krankenhaus – Erinnerungen eines Krankenpflegers, Selbstverlag. Das Buch kann beim Autor zum Preis von 15 EURO bestellt werden
  • Archiv der FFW Heiligenstadt, freundlicher Weise zusammengestellt vom Herbert Schilling
  • Stadtarchiv Heilbad Heiligenstadt, Das Volk vom 23.10.1963 und Eichsfelder Tageblatt vom 23.10.1963

Bildnachweis:

  • Bild 1,4 und 5 – Fotosammlung Günter Liebergesell
  • Bild 2 und 3 – FFW Heiligenstadt Archiv
  • Bild 6 – Stadtarchiv Heilbad Heiligenstadt, Das Volk vom 23.10.1963 und Eichsfelder Tageblatt vom 23.10.1963