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Graf Heinrich XXVIII. von Schwarzburg-Blankenburg

Oberamtmann des Eichsfelds, Provisor zu Erfurt, Landrichter an der Fegebankswarte, Pfarrer zu Rudolstadt, Probst zu St. Peter in Mainz, Domprobst zu Jechaburg (bei Sondershausen), Kanoniker in Magdeburg und Köln. – Oder doch nur ein ungestümer Raufbold

Verfasser: Günter Liebergesell

Graf Heinrich XXVIII. von Schwarzburg-Blankenburg entstammte einem sehr alten, wohl sogar dem ältesten Adelsgeschlecht in Thüringen. Die Geschichte seiner Vorfahren reicht bis ins achte Jahrhundert zurück.

Zu ihnen gehörte ein als Heiliger verehrter Eremit Gunther der, nachdem er seine Erbgüter den Klöstern Göllingen und Hersfeld vermacht hatte, als Laienbruder in das Kloster Hersfeld eintrat. Seit 1008 lebte er als Einsiedler in Rinchnach im Bayrischen Wald. Er blieb auch als Eremit politisch aktiv und vermittelte mehrfach zwischen dem deutschen König und dem Herzog von Böhmen.

Erstmals eindeutig nachweisbar nennt sich ein Graf Sizzo (ca. 1093-1160) dessen Standbild im Westchor des Naumburger Domes, bei den Stifterfiguren zu finden ist, nach der Befestigung über der den Burgberg umfließenden Schwarza – von Schwarzburg.

Die Schwarzburger waren im Mittelalter eines der mächtigsten und einflussreichsten Grafengeschlechter in Thüringen. Sie waren u.a. Schutzvögte des Klosters Paulinzella und gründeten 1143 ihr Hauskloster Georgenthal. Mit Günther XXI. stellten sie sogar einen deutschen König, der selbst von seinen Gegnern geachtet wurde.

Unser Graf Heinrich XXVIII. von Schwarzburg-Blankenburg war das fünfte von 11 Kindern des Heinrich XXVI. von Schwarzburg-Blankenburg und der Herzogin Elisabeth von Cleve. Nun hatten die beiden wahrscheinlich keine große Lust gehabt, ihren vielen Söhnen nette Namen zu geben, sie machten es ganz einfach. Die Söhne hießen alle Heinrich oder Günther. Das mag auch die Mode der Zeit gewesen sein, auf jeden Fall kann es ganz schön verwirren. In den Stammtafeln kann man dies noch einmal nachvollziehen.Die Günthers übernahmen die weltliche Herrschaft und die Heinrichs kümmerten sich um den Erhalt des geistlichen Standes.

1458 finden wir Heinrich von Schwarzburg mit seinem Bruder, gleichen Namens natürlich, als Student an der Universität Erfurt, wo er zum Akoluthen geweiht wurde. Mit diesem Begriff kann kaum jemand etwas anfangen. Er bedeutet so viel wie junger Kleriker, der den Bischof begleitet und die Tätigkeit der heutigen Kirchendiener und Chorknaben zu versehen hatte. Wir würden sagen ein Messdiener. Die Symbole der Akoluthenweihe waren Leuchter und Weinkännchen. Schon in dieser Zeit, da er dem niedersten geistlichen Stand angehörte, versorgte ihn sein wohlhabender Vater mit einer ganzen Reihe geistlicher Pfründe. So wurde ihm die Pfarrei Rudolstadt übertragen und er zum Kanoniker in Köln gewählt. 1462 wurde er zum Subdiakon geweiht und das Kapitel von Mainz erwählte ihn zu ihrem Probst in der Hoffnung, der bedeutende Vater könne die verloren gegangenen Rechte und Einkünfte der Propstei wiedererlangen. Im Jahr 1465 wurde er Probst in Jechaburg (heute ein Stadtteil von Sondershausen) und Kanoniker am Erzstift Mainz und in Magdeburg. Doch Papa genügte das noch nicht, er wollte mehr für seinen Sohn. Und so verhandelte er fleißig mit dem Erzbischof Adolf von Nassau und dem Domkapitel, bis es ihm gelang, Heinrich am 15. Juni 1465 zum Provisor von Erfurt und Oberamtmann des Eichsfeldes auf Lebenszeit durch den Erzbischof einzusetzen. Das nennt man Ämterhäufung oder „hast du den Papst zum Onkel, kannst du Kardinal werden“. Es hatte sich für die Schwarzburger gelohnt, in der Mainzer Stiftsfehde auf der Seite Adolf von Nassau zu stehen. Um dies zu verstehen, müssen wir einen kurzen Blick auf die Ereignisse der Stiftsfehde werfen: Der am 18. Juni 1459 mit knapper Mehrheit gegen Adolph von Nassau zum Erzbischof gewählte Graf Diether von Isenburg-Büdingen führte zunächst gemäß seiner Wahlkapitulation einen Krieg gegen Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz, erlitt jedoch am 4. Juli 1460 in der Schlacht bei Pfeddersheim eine Niederlage und musste sich anschließend im Hemsbacher Vertrag mit dem bisherigen Gegner verbünden. Als der Papst für einen Kreuzzug eine hohe Unterstützung von Deutschland forderte, formierte sich der Widerstand. An dessen Spitze sich neben Friedrich I. von der Pfalz auch Diether von Isenburg stellte. Er strebte als Kanzler des Reiches eine Reichsreform an, mit Beseitigung des Faustrechtes, der Schaffung eines allgemeinen Landfriedens, eine allgemeingültige Rechtsprechung durch ein Reichsgericht und die Einberufung einer Reichsversammlung. Ebenso forderte er ein allgemeines Konzil auf deutschem Boden, dass die Kirche in Deutschland unabhängiger von Rom machen sollte. Desweiteren beklagte er, dass der Kaiser Friedrich III., länger als 15 Jahre nicht in Deutschland war und nichts für Recht und Frieden tue. Nach dem er sich geweigert hatte, Palliengelder und Annaten an die Kurie zu leisten, wurde er auf Betreiben Kaiser Friedrich III. am 21. August 1461 durch den Papst gebannt und für abgesetzt erklärt. Sein Gegenkandidat, Graf Adolph II. von Nassau-Wiesbaden-Idstein, wurde nun vom Papst zum neuen Erzbischof ernannt.

Die Stadt Mainz blieb nach Abschluss eines Schutzvertrages am 2. Dezember 1461 auf der Seite Diethers, auch die Eichsfelder und besonders Heiligenstadt stand mehrheitlich auf der Seite Diether von Isenburg. Das ging sogar so weit, dass Heiligenstädter Bürger unter Führung des städtischen Münzmeisters Tile Riemenschneider, Vater des großen Bildschnitzers und dessen Bruder Nikolaus, Stiftsvikar in Würzburg und mit Hilfe des Rates 1461 das Martinsstift in Heiligenstadt stürmten und den Propst Dr. Heiso Krauwell zwangen, mit einem Teil der Kanoniker die Stadt zu verlassen, weil sie Anhänger der kaiserlichen Partei und Adolf von Nassau waren. Der Pfälzer Kurfürst finanzierte Diethers Krieg gegen Pfandabtretung der Erzstiftsteile an der Bergstraße. Mainzer Territorialpositionen in Oberhessen wurden an Landgraf Heinrich III. von Hessen verpfändet. Erzbischof Adolph verbündete sich mit dem Trierer Kurfürsten Johann II. und dessen Bruder Karl in der Markgrafschaft Baden sowie dem Landgrafen Ludwig II. von Niederhessen. Entscheidend für die machtpolitische Auseinandersetzung wurde der Pfälzer Sieg bei Seckenheim am 30. Juni 1462 über die Nassauer Bundestruppe. Adolph von Nassau schien besiegt, Diether von Isenburg frohlockte. Doch bevor Diether den Sieg für sich ausbauen konnte, überrumpelten Nassauer Streitkräften nach zwölfstündigem Kampf am 28. Oktober 1462 Mainz und vertrieben die isenburgischen Anhänger. Adolph von Nassau kassierte am 30. Oktober 1462 alle Privilegien, so dass die Stadt ihre Freiheiten verlor. Damit war auch das Schicksal Diethers entschieden, der Krieg um das Erzstift war zu Ende. Im Zeilsheimer Vertrag am 5. Oktober 1463, verzichtete Diether von Isenburg auf das Erzbistum.

Als Folge der Fehde für das Erzstift Mainz, ging der Besitz im Naheraum und weitgehend der in Hessen für Mainz verloren.

Um wenigstens in der Geistlichkeit Frieden herzustellen, bestellte Erzbischof Adolf von Nassau am 25. April 1464 Vertreter aus Heiligenstadt nach Mainz und schloss mit ihnen einen Vertrag, in dem Tilo und Nikolaus Riemenschneider wegen der Teilnahme an der Mainzer Stiftsfehde Heiligenstadt verlassen mussten und all ihren Besitz verloren. Um Herr über das Eichsfeld zu werden, übertrug der Erzbischof am 17. Juni 1465 dem erst 20 jährigen Grafen Heinrich XXVIII. von Schwarzburg-Blankenburg die Stelle des Oberamtmanns auf dem Rusteberg und das Provisoramt von Erfurt. Adolf von Nassau war bevor er zum Erzbischof gewählt wurde, selbst 12 Jahre Provisor in Erfurt und Oberamtmann auf dem Eichsfeld gewesen und so bestanden gute Aussichten für den jungen Grafen, diesen Posten als Sprungbrett nach Mainz, nach ganz oben zu nutzen. Der neue Oberamtmann schwor sich, alle Gegner Adolf von Nassau‘s aus dem Eichsfeld, besonders aber aus Heiligenstadt zu vertreiben, da diese immer noch an Diether von Isenburg hingen, der der Stadt große Freiheiten und Zugeständnisse gemacht hatte.

Viele Chronisten schrieben in ihren Werken von dem jungen Schwarzburger, ohne Erfahrung, trotzig, eigensinnig, kriegerisch, ein unruhiger streitiger Kopf, der sich mit dem Adel und den Städten nicht gut stellen wollte. Nur konnte er denn anders? Ich möchte ihn nicht in Schutz nehmen. Der Oberamtmann hatte auf der Seite Adolf von Nassau‘s gekämpft und gesiegt und nun sollte er sich seinen alten Gegnern beugen. Niemals.

Am 2. Dezember 1465 zog er, begleitet von seinem Vater und Bewaffneten, in Heiligenstadt ein, ließ sich Hafer, Wein und die üblichen Geschenke darbringen. Doch in den frühen Morgenstunden verhafteten seine Soldaten den Rat und die Isenburgschen Priester. 50 Gefangene, unter denen sich auch Tile und Nikolaus Riemenschneider befanden, wurden auf den Rusteberg gebracht, wo sie geschätzt wurden. Die Stadt brandschatzte er und erlegte ihr eine Strafsumme von 4092 Gulden auf. Diese enorme Summe führte der junge Oberamtmann in einer für den Bruder des Erzbischofs, den Grafen Johann von Nassau und anderen erzbischöflichen Räten, abgegebene Rechenschaft, über Einnahmen und Ausgaben auf dem Eichsfeld, als ersten Einnahmeposten auf. So macht man sich lieb Kind.

Die, die ihm treu ergeben waren belohnte er, wie den eichsfeldischen Ritter Werner von Hanstein. Als Gefolgsmann des Landgrafen Ludwig II. von Hessen hatte Werner von Hanstein in der Stiftsfehde schon auf der Seite des Erzbischofs Adolf von Nassau gekämpft und ihm gebührte dafür Lohn und Anerkennung. Ob nun dieser taktisch kluge Zug, eine Idee des alten Schwarzburger Grafen war, oder ob diese Eingebung dem Oberamtmann in den Schoß fiel, sei dahingestellt, auf jeden Fall war es weise, den mächtigsten und angesehensten Adligen des Eichsfeldes auf seiner Seite zu haben. So übertrug der Oberamtmann am 20. Mai 1465 dem Ritter Werner von Hanstein das Amt Gleichenstein mit der Hälfte der Erträge und Einnahmen. Der Rusteberg und nun auch der Gleichenstein waren fest in der Hand des Oberamtmanns und nach der Eroberung Heiligenstadts herrschte er über das ganze Eichsfeld.

Alles war so schön und wenn nicht Gier nach Macht und Geld neue Unruhe hervorbringt, dann sind es meist die Frauen, wie wir gleich sehen werden. Und so schlug Freundschaft in Hass um und veränderte das Leben des Oberamtmannes und das des Werner von Hanstein. Zur damaligen Zeit lebte auf dem Eichsfeld ein aus seinem Uradel stammender Edelmann mit Namen Hans von Hagen. Das Stammhaus derer von Hagen lag in Rüdigershagen. Er war blind und hatte, wie die Chronisten schreiben, ein überaus schönes Weib, eine geborene von Wildungen. Nicht Bad Wildungen in Hessen, sondern aus Wildungen, heute die Wüstung Wildungen bei Brehme. Der Oberamtmann hatte ein Auge auf sie geworfen und entführte die Schönheit auf den Rusteberg, um sie ganz nah bei sich zu haben. Dass er dem geistlichen Stand geweiht war, störte ihn dabei überhaupt nicht, denn nun spielten nicht nur sein ungestümer Charakter, sondern auch noch die Hormone des jungen Heißsporns verrückt. Aber nicht nur beim Oberamtmann wecke diese Frau Begierden. Auch Werner von Hanstein gelüstete nach dem Weib mit der schlanken und doch so üppigen Gestalt und den reizenden Gesichtszügen. Und wie es scheint, zog diese Werner von Hanstein dem Oberamtmann vor. Und dieser erfuhr von ihren Zusammenkünften und wurde zornig. Und wenn er zornig war, wurde er ungehalten. In seiner Wut entriss er Werner die Würde des Amtmanns vom Gleichenstein und forderte das Schloss zurück. Da Werners Scheunen auf dem Gleichenstein voller Vorräte waren, entstand ihm großer Schaden und der mutige Ritter griff zu den Waffen. Die Eichsfelder Ritterschaft, der Rat von Duderstadt, Moritz von Plesse und der Vater des Oberamtmannes versuchten zwar, auf Schiedstagen in Rengelrode und Duderstadt zu vermitteln, jedoch ohne Erfolg. Plötzlich und unerwartet brach am Donnerstag, dem 13. November 1472, auf dem Gleichenstein ein Feuer aus und vernichtete ausgerechnet nur die beiden Scheunen, in denen die Vorräte des Oberamtmannes Heinrich von Schwarzburg lagerten. Nun ist es nicht schwer sich vorzustellen, wer als erster in Verdacht geriet, das Feuer gelegt zu haben, bzw. hatte legen lassen. Natürlich, Werner von Hanstein. Dem Oberamtmann kam dieses Feuer gerade recht. Er verbündete sich mit Hans von Dörnberg, dem alten Feind der Hansteiner und dieser gewann Tilo von Westhausen für ihr Bündnis. Zusammen zogen sie zum Hanstein und raubten dem Ritter Werner einen Großteil seiner Herden, die sie nach Heiligenstadt trieben. Werner von Hanstein setzte ihnen mit seinen Leuten zwar nach, doch als sie vor die Stadt kamen, öffnete diese ihre Tore, ließ die Räuber mit dem geraubten Vieh hinein und verschloss sie dann vor Werner von Hanstein wieder.

Das war zu viel. Werner von Hanstein war sauer, richtig sauer. Er ritt sofort zum Herzog Wilhelm von Sachsen nach Weimar und bat ihn um Hilfe, die dieser auch zusagte. Dann verbündete er sich mit den Brüdern Hermann III. und Georg I. Riedesel zu Eisenbach, die in Hessen mit dem Erbmarschallamt belehnt waren und schon in einer Fehde mit dem Erzstift und somit auch mit dem Oberamtmann lagen, wegen nicht gezahlter Schulden und Zinsen. Auch in Paderborn bat Werner von Hanstein um Hilfe und bekam für sein Vorhaben 250 Reiter. Mit dieser Verstärkung war der Zeitpunkt gekommen, dem Oberamtmann und Heiligenstadt einen Denkzettel zu verpassen. Am 1. Oktober 1473 ritt Werner von Hanstein mit den Brüdern Riedesel und den Reisigen des Herzog Wilhelm von Sachsen sowie den 250 Reitern aus Paderborn vor Heiligenstadt und trieb alles Vieh weg, was sie fanden. Es sollen 1100 Stück Rindvieh, Pferde, Esel, Ziegen, Schweine und Gänse gewesen sein. Nach Abzug der Beuteteile für die Riedesel, die Reiter aus Paderborn und die Truppen des Herzogs Wilhelm von Sachsen trieb er seine Beute auf den Hanstein. Dieser dreiste Viehraub brachte die Ritterschaft des Eichsfeldes und die Städte auf und im Frühjahr 1474 begann die Belagerung der Burg Hanstein. Der Oberamtmann und seine Helfer zogen mit zwei Kartaunen und einigen Steinbüchsen vor die Burg. Der Schießvorgang der Steinbüchsen war sehr aufwändig. Die Steinbüchsen waren sogenannte Legstücke und mussten in einen Rahmen gespannt werden, um schießen zu können. Die Kugel mussten wie die Treibladung abgedichtet werden, damit möglichst wenig Gase an der relativ ungleichmäßigen Steinkugel vorbeiströmen konnte. Es war fast unmöglich, mehr als einen Schuss pro Tag abzugeben. Tilo von Westhausen verstand sein Handwerk und so schossen sich die Belagerer auf die Burg ein und begannen die Dächer zu durchlöchern, da die Mauern der Burg zu dick und fest waren. Bei einem Ausfall, um die Geschütze zu zerstören, wurde Werner von Hanstein an der linken Brust verletzt und konnte nicht mehr kämpfen. Ohne schnelle Hilfe wäre die Burg der Zerstörung preisgegeben gewesen.  In seiner großen Not befahl Werner von Hanstein 12 gefangene Heiligenstädter, die er beim Viehraub gemacht hatte, auf die Dächer der Burg zu binden, um so dem Beschuss Einhalt zu gebieten. Sein Plan ging auf. Die Belagerer rückten ab, um nicht das Leben der Gefangenen zu opfern und ließen ihre Wut an den umliegenden Hansteinschen Dörfern aus. So endete die Belagerung sehr schnell, doch die Fehde zog sich noch viele Jahre hin.

1474, am 22.September, überfielen der Oberamtmann und der Graf Hannsen von Hohenstein, einen Kaufmannszug aus Braunschweig, Göttingen, Hannover, Northeim und Hardegsen, bei der Stadt Münden und plünderten ihn aus. Ihre Wagen brachten sie auf den Rusteberg. Die Kaufleute beschwerten sich daraufhin beim Grafen Heinrich der Älteren von Schwarzburg, Vater des Räubers, der aber nichts ausrichten konnte. Sein Sohn war ihm über den Kopf gewachsen und ließ sich kaum noch Ratschläge geben. So nahmen sich Herzog Friedrich von Braunschweig die Räte von Göttingen, Northeim und Einbeck der Sache an. Erst als die Stadt Braunschweig den Grafen Heinrich von Schwarzburg aufforderte, 8 seiner Leute schadlos zu halten, gab er nach. Doch für eine gute Fehde war er jederzeit bereit.

Nun geschah es, dass der Erzbischof Adolf von Nassau bei der Befreiung von Neuss, die durch Karl den Kühnen, Herzog von Burgund belagert wurde, schwer erkrankte. Er reiste nach Eltville und schloss am 6. September 1475 für immer seine Augen, aber nicht bevor er seinen Vorgänger und einstigen Widersacher Diether von Isenburg als seinen Nachfolger vorschlug. Das Mainzer Domkapitel wählte tatsächlich erneut Diether von Isenburg am 9. November 1475 zum Erzbischof von Mainz und Papst Sixtus IV. bestätigt diese Wahl. Diether regierte ohne weitere Konflikte bis zu seinem Tod 1482. Dieser Wiedererhebung sah man im Eichsfeld sehr skeptisch entgegen. Und dem Grafen Heinrich von Schwarzburg, seines Zeichens Oberamtmann, müssen sicher die Haare vor Angst zu Berge gestanden haben, bei dem Gedanken, seinen alten Feind nun als Chef zu haben. Er lernte nichts und trat immer wieder unangenehm in Erscheinung. Im Herbst beschimpft er einen Beamten des Landgrafen Heinrich III. von Hessen, Philipp von Hunoldshausen und dessen Familie so, dass dieser Genugtuung von ihm forderte. Der Landgraf meldet den Vorfall dem alten Grafen Heinrich von Schwarzburg, der seinem Sohn einen Verweis aussprach. In Witzenhausen, am Freitag nach Martini, konnte zwischen beiden wieder Einigkeit hergestellt werden. Trotz dieser ganzen Vorfälle bestätigte Diether von Isenburg am 09. August 1476 den Schwarzburger als Oberamtmann für das Eichsfeld. Ein paar Wochen später schickte der Schwarzburger eine große Anzahl Reisigen dem Grafen von Hohenstein, Herr zu Lohra und Klettenberg, der mit diesen und dem Grafen Sigmund von Gleichen, Seifart von Bültzingslöwen und Bürgern aus Nordhausen am 13. September 1476 in die Hansteinschen Orte Hebenshausen, Berge und Witzenhausen einfielen, diese plünderten und Kühe, Schweine und Pferde forttreiben. Am 19. Oktober 1476 reiste der Erzbischof von Mainz Diether II. von Isenburg auf das Eichsfeld und ließ sich huldigen. Der Oberamtmann erschien nicht vor dem Erzbischof, trieb stattdessen aber sein Unwesen auf dem Eichsfeld weiter. Nun wandte sich der Erzbischof an den Vater des Oberamtmann, den alten Grafen Heinrich von Schwarzburg und ermahnte ihn dringend dafür zu sorgen, dass sein ungestümer Sohn endlich Ruhe gäbe.

Der Erzbischof begann mit Verhandlungen um den Schutz der thüringischen Gebiete des Erzstiftes Mainz, um Erfurt und im Eichsfeld, mit dem Herzog Ernst von Sachsen. Er machte dem Kurfürsten Ernst von Sachsen einen Antrag, seinen zweiten, noch minderjährigen Sohn Adalbert als Oberamtmann des Eichsfeldes und Provisor von Erfurt anzunehmen. In der folgenden Zeit sollte er zum Koadjutor mit dem Recht zur Nachfolge auf den Bischofsstuhl gewählt werden. Das war ein Schachzug, denn dem Erzbischof gelang es dadurch den Kurfürsten auf seine Seite zu ziehen, obwohl er mit dem alten Grafen von Schwarzburg eng befreundet war. Am 13. November 1477 schrieb der Mainzer Erzbischof Diether von Isenburg an den Vater des Oberamtmanns, Graf Heinrich der Ältere und bat um Hilfe in der Vermittlung eines Friedens zwischen seinem Sohn und den Hansteinern. Alle Bemühungen blieben aber ohne Erfolg und das Rauben und Brennen ging weiter.

1478 reichte es den Eichsfeldern und sie beklagten sich beim Erzbischof von Mainz, wenn er nicht den Graf Heinrich von Schwarzburg als Oberamtmann absetze, werden sie nicht länger beim Erzstift Mainz bleiben und sich einen neuen Herren suchen. In Duderstadt ging der Streit sogar so weit, dass die Bürger den Bürgermeister aus einem alten Patriziergeschlecht absetzten und sich einen neuen, Hermann Rode, wählten. Der Befehl des Erzbischofs, den alten Bürgermeister Hans Were wieder einzusetzen befolgten die Duderstädter nicht. Ganz im Gegenteil, je schlimmer es der Oberamtmann trieb, umso unzufriedener wurden sie. Am Sonnabend dem 24.02.1478, versammelte sich daher die Ritterschaft des Eichsfeldes in Reinholterode. Unter ihnen waren die von Westernhagen, von Bodungen, von Hanstein, von Enzenberg, von Bültzingslöwen, von Hagen, von Kerstlingerode, von Wintzingerode und viele andere, um über die Lage des Eichsfeldes zu beraten. Bei dieser Gelegenheit wurde von den Abgeordneten Duderstadts ein Schreiben des Kurfürsten Diether von Isenburg verlesen, in welchem dieser die Ritterschaft und die Städte vor dem Amtmann des Eichsfeldes, warnt. Das war hart. Der Oberamtmann erfuhr natürlich von diesen Beschwerden beim Erzbischof und seiner Antwort. Dass so eine Zusammenkunft hinter seinem Rücken geschah, brachte den Oberamtmann gegen das Eichsfeld auf und der Zorn und die Wut begannen in ihm zu kochen und er gedachte sogar, sich mit Gewalt der Stadt Duderstadts zu bemächtigen, was noch zur rechten Zeit verhindert werden konnte.

Mit 400 Reitern aus der Grafschaft Hohenstein und Mannsfeld begann er kurz vor der Ernte Heiligenstadt zu bestürmen. 600 Mann lagen im Hinterhalt und sollten bei einem Ausfall über die ahnungslosen Heiligenstädter herfallen. Es gelang ihnen aber nicht, denn die Heiligenstädter bemerkten diesen Hinterhalt und verschanzten sich in ihrer Stadt. So versuchte er es am 28. Oktober 1478 noch einmal. Mit den Mannschaften der Schlösser Lindau, Gieboldehausen und Gleichenstein, sowie aus Hardenberg und Grone gelang es dem Oberamtmann Heiligenstadt zu überrumpeln. Nachdem sie eine Bresche in die Mauer geschlagen hatten, fiel er mit seinen Söldnern in die Stadt ein, nahm die Mitglieder des Rates gefangen, die sich ihm widersetzt hatten, ließ sie auf den Rusteberg bringen und gegen hohes Lösegeld schätzen. Viele Heiligenstädter wurden bei diesem Überfall verwundet und einige sollen sogar erschlagen worden sein. In der Stadt entstand großer Schaden durch Brand und Plünderung. Die Heiligenstädter mussten ihm huldigen und ihn als ihren Herrn anerkennen.

Das Maß war voll. Zwei Ratsherren, die fliehen konnten, es waren Hans Hunold und Erhard Landgreve, meldeten diesen dreisten Überfall dem Erzbischof. Der freute sich, nun endlich eine Handhabe zur Absetzung dieses verhassten Grafen zu haben. Er schrieb einen Brief an die Eichsfelder Ritterschaft und die Städte, in dem er den Überfall und die Unterwerfung Heiligenstadts scharf verurteilte und alle warnte, sich dem Oberamtmann zu unterwerfen. Die Spannungen im Eichsfeld wurden immer größer und so auch der Druck auf den Oberamtmann. Er bestellte am 2. März 1479 die Städte und die gesamte Ritterschaft des Eichsfeldes zur Fegebankwarte (bei Siemerode) zu Verhandlungen ein. Diese verliefen erfolglos. Der Oberamtmann wurde vor das Domkapitel zu Mainz bestellt, um sich zu verantworten. Er folgte diesem Befehl natürlich nicht und so beschloss man seine Absetzung. In langen und heißen Verhandlungen war es dem Kurfürsten Ernst von Sachsen gelungen, den alten Grafen von Schwarzburg zu überzeugen, dass das Amt für seinen Sohn unhaltbar war und außerdem die stärkeren Kräfte auf der Seite des Erzbischofs zu finden waren. Der Kurfürst löste die Pfandschaft des Eichsfeldes bei Herzog Wilhelm III. von Sachsen aus und auch der Oberamtmann Heinrich von Schwarzburg bekam seine 7800 Gulden (fl.), die er Erzbischof Adolf von Nassau gezahlt hatte für das lebenslange Amt, zurückerstattet.

Um Duderstadt vor einem Überfall des Oberamtmanns zu schützen, veranlasste der Erzbischof, Eberhard von Elben und Georg Riedesel von Eisenbach der Stadt 36 Reiter zur Verstärkung zu schicken. Auch der Kurfürst von Sachsen entsandte 90 Reiter, damit es Duderstadt nicht so ergehen sollte, wie es Heiligenstadt ergangen war. Am 17. Oktober 1479 kam endlich der Erzbischof von Mainz, mit 8 Domherren, 4 Rheingrafen und 400 Reitern nach Duderstadt. Vor den Toren wurden sie vom Bürgermeister Hanns von Gothen, den Stadthauptmann Burchard von Enzenberg und zwei Ratsmitgliedern begrüßt. Die Duderstädter fielen auf die Knie und baten den Kurfürsten er möge ihr gnädiger Herr sein und die Stadt bei ihren Rechten, Freiheiten und Gewohnheiten lassen, die sie vom Herzog von Braunschweig bekommen hatten. Der Kurfürst ließ sie wieder aufstehen, worauf die Duderstädter die Tore ihrer Stadt öffneten. In der Stadt empfing der Erzbischof und Kurfürst die Geistlichkeit, den Adel, den Rat und die Gilden und feierte mit ihnen in der Oberkirche das Hochamt. Einen Tag später nahm der Erzbischof die Huldigungen im Rathaus entgegen und überreichte dem Rat der Stadt den Freiheitsbrief. Dann erwartete er am 21. Oktober 1479 in Duderstadt, die über Mühlhausen mit 500 Reitern ankommenden Kurfürsten Ernst von Sachsen und Albrecht der Beherzte, Herzog von Sachsen. Mit diesem vereinten Heer zogen sie über Gieboldehausen und Heiligenstadt zum Rusteberg und verwiesen den Oberamtmann, Graf Heinrich von Schwarzburg, aus dem Eichsfeld. Nun konnte am 31. Oktober 1479 Prinz Adalbert von Sachsen als neuer Oberamtmann vom Rusteberg eingesetzt werden. Da er aber nicht auf dem Eichsfeld residierten wollte, übernahmen die Aufgaben für Duderstadt Burkard von Enzenberg und für das restliche Eichsfeld Heinrich Reuß von Plauen.

Heinrich von Schwarzburg ging zu seinem Bruder, dem Erzbischof von Bremen und Bischof von Münster, wie sollte es anders sein, mit dem Namen Heinrich von Schwarzburg. Als Bischof von Münster hatte sich dieser die Rechte auf Delmenhorst bestätigen lassen und war dadurch in einen Streit mit dem Grafen von Oldenburg geraten. Der Erzbischof von Bremen führte nun einen Eroberungskrieg, in dem ihm sein Bruder aus dem Eichsfeld, der mittlerweile auf alle geistlichen Ämter und Pfründe verzichtet hatte, zu Seite stand. Was sollte er auch anderes machen, das Raufen und Brennen lag ihm doch mehr als fromme Gebete. Bei der Belagerung der Festung Delmenhorst wurde unser ehemaliger Oberamtmann durch eine Kugel schwer verwundet und starb am 19.11.1481 in Bremen. Sein Bruder, ließ ihn im Bremer Dom beisetzen.

Mit 36 Jahren endete ein unruhiges und ruheloses Leben, das anders ja ganz anders hätte ausgehen können. Mit den Möglichkeiten und den Mitteln, die ihm sein Vater verschafft hatte, hätte er der Erzbischof von Mainz werden können und wäre somit der Erzkanzler für Deutschland der für alle deutschen Gebiete zuständig war.

Auch wir sind Kinder unserer Zeit und Welt und wir können das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Allerdings kann uns die Kenntnis der Geschichte helfen, den Blick für das Wesentliche unseres Tuns zu schärfen.

Die Geschichte kann uns nicht sagen, was wir tun müssen, aber sie kann uns sagen, was wir unterlassen sollten!

Literatur:

  • Apfelstedt, F. Pfr. em.: Haus Kevernburg-Schwarzburg von seinem Ursprunge bis auf unsere Zeit. Sondershausen 1890, Arnstadt 1996, Thüringer Chronik-Verlag, H.E. Müllerott
  • Apfelstedt, F. Pfr. em.: Ergänzungen und Nachträge zu der Stammtafel des kevernburg-schwarzburgischen Hauses. Sondershausen 1883, Arnstadt 2001, Thüringer Chronik-Verlag, H.E. Müllerott
  • Gerlich, Alois: Mainzer Stiftsfehde, in Lexikon des Mittelalters VI, Spalte 144-145
  • Gundlach, Franz: Hessen und die Mainzer Stiftsfehde 1461 – 1463: mit einem Anhange von Urkunden und Aktenstücken, Marburg, 1899
  • Liebergesell Günter: Von Raufbolden – Fürsten, Grafen und Rittern – Ein kurzweiliger Geschichtseinblick zum Ende des Mittelalters. Engelsdorfer Verlag Leipzig 2017


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